Die Maße für Ihre Zeichnung
Für die Wellenlauffläche genügen die im Maschinenbau üblichen Stähle. Durch den geringen Anpressdruck der VR-Dichtung kann oft auf eine Nachbehandlung verzichtet werden — in vielen Fällen genügt Standard-Edelstahl ungehärtet. Was Sie trotzdem einhalten sollten, steht hier: alle Werte aus unserem Katalog 2024/25.
Gegenlauffläche
Die Lauffläche entscheidet über die Lebensdauer des ganzen Dichtungssystems. Die folgenden Anforderungen gelten nach DIN 3760 und DIN 3761.
Oberfläche und Toleranzen
| Mittlere Rautiefe Rz | 1 – 5 µm |
|---|---|
| Mittenrauwert Ra | 0,1 – 0,8 µm |
| Größte Rautiefe Rmax | ≤ 6,3 µm |
| Drall | drallfrei |
| Durchmessertoleranz | ISO h11 |
| Rundheit | IT 8 |
| Einführfase der Welle | 1 – 2 mm unter 30°, gratfrei |
| Rundlauf, Koaxialität | nach DIN 3760 |
Neuere Veröffentlichungen aus der Dichtungstechnik empfehlen Rz im oberen Bereich, also 3 – 5 µm. Eine zu glatte Lauffläche baut den Schmierfilm nicht auf, den die Dichtlippe zum Überleben braucht.
Oberflächenhärte
| Einfache Anwendungen | 25 – 30 HRC |
|---|---|
| Normale Anwendungen | mind. 40 HRC |
| Schmutzeintritt von außen oder verunreinigte Medien | mind. 55 HRC |
Diese Werte liegen unter dem, was für Standard-Wellendichtringe üblicherweise gefordert wird. Grund ist der geringe Anpressdruck der vorgespannten Membran: Sie trägt weniger Last in die Wellenoberfläche ein.
Drall vermeiden
Bei der Bearbeitung kann eine Drallorientierung entstehen — eine Struktur wie ein sehr feines Gewinde, die das Medium unter der Dichtlippe hindurch fördert.
Bei Anwendungen mit nur einer Drehrichtung lässt sich dieses Verhalten gezielt nutzen, um die Dichtwirkung zu verstärken. Bei wechselnder Drehrichtung gibt es diese Möglichkeit nicht — dann muss die Lauffläche drallfrei sein.
Einstechschleifen
Für eine drallfreie Oberfläche empfehlen wir das Einstechschleifen, also Schleifen ohne axialen Vorschub. Damit dabei wirklich kein Drall entsteht, kommt es auf drei Punkte an:
- Das Drehzahlverhältnis zwischen Schleifscheibe und Werkstück darf nicht ganzzahlig sein.
- Die Orientierung überträgt sich auf die Schleifscheibe. Deshalb Mehrkorn-Abrichtwerkzeuge mit geringstmöglichem Axialvorschub oder professionelle Abrichtrollen verwenden.
- Ausfeuern bis zum vollständigen Ausfeuern — die Zeit entsprechend wählen.
Andere Verfahren
- Hartdrehen mit sehr geringem Vorschub kann geeignet sein. Es kommt auf den Einzelfall an, deshalb empfehlen wir es nicht uneingeschränkt.
- Beschichtungen auf der Welle können die Reibleistung des Gesamtsystems deutlich erhöhen. Bei beschichteten Wellen sollten Voruntersuchungen erfolgen.
- Keine manuelle Nachbearbeitung. Riefen orthogonal zur Dichtfläche sind zu vermeiden.
- Wellen nicht polieren.
Bei thermisch oder mechanisch hoch belasteten Dichtstellen kommt es auf eine gute Konditionierung der Kontaktfläche an. Sprechen Sie uns an, damit wir den Einzelfall gemeinsam erarbeiten.
Bohrung und Einbauraum
Neben der dynamischen Abdichtung zwischen Dichtlippe und Welle dichtet ein Radialwellendichtring auch statisch ab — über seinen Außenmantel gegen die Aufnahmebohrung.
Bohrung
| Bohrdurchmesser | ISO-Toleranz H8 |
|---|---|
| Rautiefe Rt | ≤ 16 µm (Ra ≤ 3 µm) |
| Mittlere Rautiefe Rz | 4,0 – 8,0 µm |
| Einführfase | mind. 15° |
Die notwendige Oberflächengüte erreichen Sie durch eine Schlichtbearbeitung. Die Bohrung darf nicht beliebig glatt sein — der Außenmantel braucht die Rauheit, um sicher zu sitzen.
Einbauraum
| Maß | Vorgabe |
|---|---|
| t1 | B × 0,85 (mindestens) |
| t2 | B + 0,3 mm (mindestens) |
| r2 | 0,7 mm (maximal) |
| Rundlauf, Koaxialität | nach DIN 3760 |
B ist die Breite der Dichtung. Die Breite Ihrer Größe finden Sie im Maßfinder. Ein zu großer Eckenradius verhindert, dass der Ring plan anliegt.
ds, D3 und D4
Bei drehenden Wellen tordiert die Dichtlippe eines druckbeaufschlagten Radialwellendichtrings. Es entstehen hohe Schubspannungen im Elastomer — eine Funktion von Druck, Umfangsgeschwindigkeit, Reibwert und Ringspalt.
Beim VR-Dichtsystem wird dieser Abstand über die Stützkörperbohrung berücksichtigt — wahlweise mit dem Maß D3 oder D4.
| Maß | Stützkörperbohrung |
|---|---|
| D3 | D1 + 1,0 mm |
| D4 | D1 + 0,5 mm |
ds = (D3 − D1) / 2 — entsprechend ds = (D4 − D1) / 2. Höhere und dynamische Drücke erfordern kleinere Abstände ds — welches ds Ihr Druck noch zulässt, zeigt das Diagramm unten. Für kleine Abstände geht die gestanzte Blechausführung in den einteiligen, gedrehten Stützkörper über: die Bauform SOA.
D3 = Wellen-Ø + 0,10 +0,05−0,00
Beispiel: Wellen-Ø 30 mm → D3 = 30,10 +0,05−0,00
Geben Sie D3 in der Bestellung an, wenn Sie ein abweichendes Maß brauchen.
Drei Bereiche
| Bereich | Stützkörper | Einsatz |
|---|---|---|
| I | D3-Maß | Standardbereich |
| II | D4-Maß | erhöhte Druckbelastung |
| III | ds angepasst | Sonderauslegung — bitte Rücksprache halten |
Stützkörperwerkstoffe
Gestanzte Stützkörper liefern wir in Stahl, Edelstahl 1.4301 und Sondermaterialien. Gedrehte Stützkörper in Rotguss RG7, Aluminium, Edelstahl 1.4301, Stahl 1.0319 sowie in Kunststoffen wie PPS, PEEK, HDPE und PA6.
- Bei Abständen ds < 0,10 mm empfehlen wir Rotguss RG7, um Beschädigungen der Welle auszuschließen.
- Für höhere Druckbelastungen muss die Spaltextrusion so klein wie möglich bleiben — dafür der gedrehte Stützkörper der Bauform SOA.
- Stimmen Sie Ihre Konstruktion bei Hochdruck-Anwendungen bitte frühzeitig mit uns ab.
Was auf die Zeichnung gehört
| Bauteil | Merkmal | Vorgabe |
|---|---|---|
| Welle | Durchmesser | ISO h11, Rundheit IT 8 |
| Laufspur | Rz 1 – 5 µm · Ra 0,1 – 0,8 µm · Rmax ≤ 6,3 µm | |
| Bearbeitung | drallfrei, im Einstich geschliffen | |
| Härte | mind. 40 HRC · 55 HRC bei Schmutz | |
| Einführfase | 1 – 2 mm unter 30°, gratfrei | |
| Gehäuse | Bohrung | ISO H8 |
| Bohrungsoberfläche | Rt ≤ 16 µm · Rz 4,0 – 8,0 µm | |
| Einführfase | mind. 15°, gratfrei | |
| Einbauraum | t1 ≥ B × 0,85 · t2 ≥ B + 0,3 mm · r2 ≤ 0,7 mm | |
| Dichtung | Stützkörperbohrung | D3 angeben, sonst Wellen-Ø + 0,10 +0,05−0,00 |
| Betriebsdaten | Druck, Drehzahl, Temperatur, Medium |
Diese Tabelle ersetzt keine Auslegung. Schicken Sie uns Ihre Zeichnung — wir sagen Ihnen, welche Bauform passt und welches ds-Maß Ihr Druck verlangt.
Ihre Dichtstelle ist nicht Standard?
Schicken Sie uns die Einbausituation als Zeichnung oder Modell — wir sagen Ihnen, was machbar ist. Ab Stückzahl 1.