Dichtungstypen
- Axialdichtung: arbeitet entlang der Achse einer Welle und verhindert Leckage, indem sie zwischen Bauteilen in Längsrichtung komprimiert wird. Eingesetzt, wenn zwischen den abgedichteten Bauteilen keine Relativbewegung besteht.
- Radialdichtung: wirkt senkrecht zur Welle und hält Flüssigkeiten bei rotierenden oder hin- und hergehenden Wellen zurück, etwa in Pumpen und Motoren.
- O-Ring: ringförmige Dichtung für statische und dynamische Anwendungen. Hält bei korrektem Nutsitz hohen Druck aus.
- Wellendichtung: radial wirkende Dichtung speziell für rotierende Wellen, die das Austreten von Flüssigkeit entlang der Welle verhindert.
- Lippendichtung: verfügt über eine oder mehrere flexible Lippen, die gegen die Dichtfläche gedrückt werden. Typisch für dynamische Anwendungen.
Werkstoffe
- NBR (Nitrilkautschuk): weit verbreitetes Elastomer mit sehr guter Beständigkeit gegen Öle, Kraftstoffe und viele Chemikalien. Arbeitsbereich etwa −40 bis +100 °C.
- HNBR (hydrierter Nitrilkautschuk): hydrierte NBR-Variante mit höherer Beständigkeit gegen Hitze, Ozon und chemischen Abbau. Arbeitsbereich etwa −40 bis +150 °C.
- EPDM (Ethylen-Propylen-Dien-Kautschuk): ausgezeichnete Beständigkeit gegen Witterung, Ozon und Wasser. Nicht beständig gegen Mineralölprodukte.
- VMQ (Silikonkautschuk): sehr flexibel bei tiefen Temperaturen, thermisch stabil bei hohen. Verbreitet in Lebensmittel-, Pharma- und Medizindichtungen.
- FFKM (Perfluorelastomer): Hochleistungswerkstoff mit ausgezeichneter Beständigkeit gegen Hitze, Chemikalien und Lösungsmittel.
- PTFE (Polytetrafluorethylen): kein Elastomer, sondern ein Thermoplast mit sehr geringer Reibung und hoher chemischer Beständigkeit.
- FKM / FPM (Fluorelastomer): bekannt unter dem Markennamen Viton. Außergewöhnliche Beständigkeit gegen Hitze, Öle, Kraftstoffe und Chemikalien.
Kennwerte und Leistung
- Druckverformungsrest (DVR): der Anteil der Verformung, der nach dem Entlasten bestehen bleibt. Ein niedriger Wert ist für dauerhafte Dichtwirkung wünschenswert.
- Abriebfestigkeit: Widerstand gegen Verschleiß durch Reibung. Für dynamische Anwendungen entscheidend.
- Elastizitätsmodul: Maß für die Steifigkeit — wie stark sich ein Werkstoff unter Last verformt.
- Gasdurchlässigkeit: wie leicht Gase durch den Werkstoff hindurchtreten. Wo Gasleckage kritisch ist, werden FKM oder PTFE bevorzugt.
- Chemikalienbeständigkeit: Widerstand gegen Abbau durch aggressive Medien.
- Rückfederung: die Fähigkeit, nach Kompression in die Ausgangsform zurückzukehren.
Einbau und Anwendung
- Losbrechmoment: das Drehmoment, das nötig ist, um im abgedichteten System eine Bewegung einzuleiten. Wird von der Reibung zwischen Dichtung und Gegenfläche bestimmt.
- Oberflächenrauheit (Ra): Maß für die Textur einer Oberfläche. Glattere Oberflächen führen in der Regel zu besserer Dichtwirkung.
- Spiel: der Freiraum zwischen Dichtung und Gegenfläche. Ausreichendes Spiel vermeidet übermäßigen Verschleiß.
- Dichtungsquerschnitt: das Profil des Dichtungskörpers, das die aufgebrachte Dichtkraft mitbestimmt.
- Einbauraum: der verfügbare Bauraum für die Dichtung. Größe und Typ müssen dazu passen.
Vorschriften der Lebensmittelindustrie
- FDA 21 CFR 177.2600: Verordnung der US-Behörde FDA, die festlegt, welche Elastomere im Lebensmittelkontakt zulässig sind, samt Prüfungen auf Extraktion.
- NSF 51: Standard für Sicherheits- und Hygieneanforderungen an Werkstoffe in gewerblichen Lebensmittelmaschinen.
- BfR XXI, Kategorie 4: deutscher Standard des Bundesinstituts für Risikobewertung für Gummi- und Silikonwerkstoffe im Lebensmittelkontakt.
- EU 1935/2004: europäische Rahmenverordnung für alle Materialien mit Lebensmittelkontakt.
- GMP (Gute Herstellungspraxis): System, das sicherstellt, dass Produkte gleichbleibend nach festgelegten Qualitätsstandards hergestellt und geprüft werden.
Der letzte Eintrag brach im ursprünglichen Beitrag mitten im Satz ab und wurde beim Umzug vervollständigt. Die Werkstoffkennwerte unserer Qualitäten stehen in der Elastomerübersicht.
